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Einspruch!

 

 

 

 

 

Inhalt dieser Seite

 

 

 

Sedgwick, Marcus:

Weiß wie Schnee, Rot wie Blut

 

 

 

Ob das Wichtigste wirklich die Suche nach ihrem Vater ist?

Edgar Rai: Salto Rückwärts

 

 

 

„Kafkas Puppe“ oder Franz Kafka einmal ganz menschlich

Gerd Schneider: „Kafkas Puppe“

 

 

 

Selbstzerstörung, lustig Der Mangazeichner Hideo Azuma wirft einen autobiographischen Blick auf seine Arbeit, die ihn fast zerstört hätte

 

 

 

Der dunkle Punkt des Unfalls

Jiro Tanguchis „Bis in den Himmel“ ist ein Autorenmanga. Zum Glück.

 

 

 

Gefühlschaos Sara Zarr: “Long-lost friend”

 

 

 

Berauschend!

Véronique M. Le Normand: „Lily und die Liebe“

 

 

 

Viele verschiedene Arten der Liebe

Jenny Valentine: "Wer ist Violet Park?"

 

 

 

Worüber keiner spricht

 

 

 

Den Kampf des alltäglichen Überlebens

"Worüber keiner spricht" von Alan Stratton

Gebeutelt, aber stark: Chanda, 17, in einer Welt von Kindersoldaten und Aids

Allan Stratton: "Chandas Krieg"

 

 

 

Auf abenteuerlicher Spur eines Rätsels – nach sich selbst

Erik L’Homme: „Phaenomen“

 

 

 

Thriller mit psychologischem Tiefgang

Kristina Dunkers "Vogelfänger"

 

 

 

Genau angepasst an das Alter der Sechstklässler

Kristina Dunker: „Gemeinsam gegen den Rest der Welt“

 

 

 

Verschiedene Definitionen von Liebe

Kristina Dunker: „Liebe gibt’s nicht“

 

 

 

Von innen heraus - gefühlvoll und informativ

Mouchi Blaise Ahua: „Auf der Suche nach Asyl in Deutschland“

 

 

 

Für jeden ahnungslosen Teenager absolut empfehlenswert

Ein Aufklärungsbuch: „Only for Girls“

 

 

 

Im Test mit jungen Lesern:

Die „Bibel in gerechter Sprache

 

 

 

Erschreckend: Erziehungscamps

Nicht nur spannend, auch eine Anregung zum Nachdenken:

"Kaltgestellt – Kontrolle wider Willen" von Johan Heliot

 

 

 

Alle Register gezogen

Ein neuer Thriller von Ilkka Remes

 

 

 

Durchaus gefährlich Spannend: "83Gigabyte" von Christian Grenier

 

 

 

Für unsere Zeit in unserer Welt: "Seidenhaar" von Aygen-Sibel Celik

 

 

 

Wie ein Kleeblatt zerfällt In bester Thrillermanier: Kristina Dunkers „Sommergewitter“

 

 

 

Blitzableiter der Familie, Modell für einen Maler

Ivy in "Die Göttin aus der. . .

 

 

 

Bedrückende Stimmung Ein Psychothriller der Extraklasse: "Die Farbe der Angst"

 

 

 

Nicht in die Mühle geraten

Dank Turgenev

 

 

 

Kein Girls' Day

Detektivin Maisie Dobbs

„Maisie Dobbs - das Haus zur letzten Ruhe" von Jacqueline Winspear

 

 

 

Die Bedeutung des Miteinander-Redens

Josephine Kroetz' Debutroman: „Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden. Eine Geschichte für Scheidungskinder“ von Josephine Kroetz

 

 

 

Was eben wirklich schön ist- ganz weit weg von Heidi Klum

"Caffè, per favore! Die Welt des italienischen Caffès!" von Walter Vogel

 

 

 

Der Mond, die Tiere

Silvia Schopf schreibt darüber, wie verschiedene Völker mit dem Tod umgehen: "Wie der Tod in die Welt kam"

 

 

 

Wieviel es bedeutet, an sich selbst zu glauben: "Schwindel" von Kristina Dunker

 

 

 

Für Meeresfans!

Hans- Peter Ziemek und Katja Brandis: „Der Ruf der Tiefe“

Von Anne Spitzner

 

 

 

„Hab ich genug geschrien?“

Andreas Schendel: „Virág oder Wenn die Welt verrutscht“

Von Iris Kersten

 

 

 

Weder Held noch Erfolgsstory - ein ungewöhnlicher Entwicklungsroman Oscar Hijuelos: „Runaway“

Von Ada Bieber

 

 

 

Jede der Vier Sophia Bennett: „Wie Marshmallows mit Seidenglitzer“

Von Julia Schneider

 

 

 

Wenn Auschwitz unabwendbar ist: Ein beeindruckendes Jugendbuch über den Wert des Lebens. Rachel van Kooij: Eine Handvoll Karten

Von Ada Bieber

 

 

 

Ein Tipp für zukünftige Bestsellerlisten-Leser Mikaël Ollivier: „blutsbrüder“

Von Bettina Meinzinger

 

 

 

Roadmovie-Roman mit Gesellschaftskritik Wolfgang Herrndorf: "Tschick"

Von Ada Bieber

 

 

 

Düstere deutsche Dystopie Daniel Höra: „Das Ende der Welt“ Von Sarah Kassem

 

 

 

Leichte, aber doch ganz hübsche Unterhaltungsliteratur Ali Shaw: "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" Von Bettina Meinzinger

 

 

 

Viel Aktion und unerwartete Wendungen Katja Brandis & Hans-Peter Ziemek: Schatten des Dschungels

Von: Anne Möller

 

 

Wo man sich heimisch fühlt

Sarah Dessen:  „Zwischen jetzt und immer“

Von Susan Müller

 

Macy kommt nicht über den Verlust ihres Vaters hinweg. Zumal sie sich selbst die Schuld gibt, zu spät am richtigen Ort gewesen zu sein. Sie versucht nur, ihrer Familie und Umgebung vorzumachen, sie käme klar. Tatsächlich treiben sie die Gedanken um, warum sie an dem besagten Morgen nicht gleich ausgestanden und mit ihrem Vater laufen gegangen ist. Ihre Schwester Caroline ist anders, sie hat geweint und getrauert und inzwischen den Mann fürs Leben getroffen. Macy sitzt mit ihrer Mutter, die ebenfalls nicht trauern kann, in dem viel zu großen Haus, und beide machen sich bezüglich ihrer Gefühle was vor.

Dazu kommt Chaos in ihren Beziehungen zu den Jungs. Da ist ihr Freund Jason. Und dann ist da noch Wes, der Neffe der Chefin Delia, den sMacy bei ihrem Job kennenlernt. So ganz allmählich sind die beiden unzertrennlich – als Freunde natürlich, denn noch hat ja Macy Jason, oder auch nicht… und Wes ist mit Becky zusammen, die allerdings gerade eine Strafe verbüßt. Alle werden durch schwierige Schicksale verbunden.

Sarah Dessen beschreibt ganz hervorragend, welchen teilweise langen Prozess es braucht, bis man dort ankommt, wo man sich heimisch und geborgen fühlt. Wieviel Macys Mutter arbeiten musste, wieviel es bedeutet, da miteinander seinen Mann zu stehen und endlich Trauer, Liebe und überhaupt Gefühle zuzulassen. Und wie froh der Leser nach all den Irrungen und Wirrungen in den Leben der Protagonisten ist, wenn es einen versöhnlichen Abschluss gibt, der Spielraum für eigene Interpretationen lässt!

 

Sarah Dessen:  „Zwischen jetzt und immer“

Aus dem Englischen von Gabriele Kosack

dtv 2017

512 Seiten, Euro 10,95

ISBN 978-3423717540

 

 

Hoch

 

 

 

Auffangen!

Lea Soplin:  „Nichts ist gut. Ohne Dich“

Von Susan Müller

 

Jana hat für sich in München einen Weg gefunden, mit dem Tod ihres Bruders Tim zurechtzukommen. Daran schuld war Leander, bester Freund Tims und auch Vertrauter Janas. Es ist zwar nichts mehr wie früher, aber Jana versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ihre Mutter hat nach dem Ableben des Sohnes keine Augen mehr für ihre beiden Töchter. Also zieht Jana kurzerhand zu ihrer Schwester Marie. Sie arbeitet in Kates Buchladen und das reicht ihr erstmal. Bis Leander auftaucht.

Der Typ, den sie nie wieder sehen wollte, aber der ihr trotzdem nicht egal ist. Das Problem der beiden liegt für den Leser auf der Hand, sie haben nie mit einander sprechen können. Weder, wie es zu dem Unfall kam, noch,  was ihm möglicherweise vorausging. Jana ist derart hin- und hergerissen, dass sie ihre lose Verbindung mit Henrik in Frage stellt, obwohl sie ja eigentlich gar nichts von Leander will. Der wurde nach dem Unfall von seinen Eltern nach Berlin verbannt und ist nun zurück. Leander kümmert sich um seine Mutter, die an Krebs erkrankt ist. Sein Vater hat sich aus dem Staub gemacht. Janas auch, aber anders. Der lebt in London und als Janas Welt zusammenzufallen droht, weil sie nicht mehr weiß, wie sie sich verhalten soll und ihre Schwester ihr Vorwürfe macht, sich trotz aller Vergangenheit mit Leander zu treffen, bricht sie aus und zum Vater.

Ausgerechnet in dieser Zeit holt Leander der nächste Schicksalsschlag ein, er verliert seine Mutter an die Krankheit. Janas Handy ist aber während der Zeit in London aus- in Leanders schlimmster Stunde ist sie nicht bei ihm und als er auf dem Friedhof nach der Zeremonie an ihr vorbeigeht – sie steht an einem Baum – ignoriert er sie und dabei blieb es.

Die dramatischen Gefühlen, die die große Liebe begleiten, werden in diesem Roman durch für die Hauptfiguren tatsächlich tragischen Erlebnissen dargestellt und sprechen so die jungen Leser an, deren eigene Gefühlswelt vorübergehend aus den Fugen geraten ist. Doch für sie ist das Kurzzeitige daran nicht zu spüren, das Elend verpasster Liebe ist und allumfassend - und diese starken Emotionen fängt „Nichts ist gut. Ohne dich“ die dazu bereiten Leser ein und auf.

Ein tolles Buch, dessen Ende man nicht erwartet, aber an dem man auch so mit Spannung bis zur letzten Seite dran bleibt. Wichtig ist es nämlich nur, bemerken Jana und Leander, dass sie ohne einander nicht können und Hamburg nicht weit genug weg ist, um den anderen zu finden bzw. sich einzugestehen, dass das Leben nur hälftig stattfindet.

(Ab 14)

 

Lea Soplin:

„Nichts ist gut. Ohne Dich“

dtv 2018

352 Seiten, Euro 10,95

ISBN 978-3423717786

 

 

 

Hoch

 

 

 

"Geh weg - ich brauch dich"

Erna Sassen: „Komm mir nicht zu nah“

Von Iris Kersten

 

Reva ist Auszubildende an einer Schauspielschule. Der Roman fängt damit an, dass sie ein neues Gebiss braucht, da ihre Zähne durch tägliches Übergeben so beschädigt sind, dass sie im Rampenlicht durchsichtig werden (schlecht für eine Schauspielerin).

Der geneigte Leser schlussfolgert sofort: „Aha, Reva leidet an Bulimie“. Aber im Laufe des Romans kommen weitere Symptome zu Revas Eßstörung hinzu. In ihrem großen Bedürfnis nach Anerkennung (ihr Selbstwertgefühl ist gering), verliebt sie sich aber immer in Männer, die sie nicht widerlieben. Sie verwechselt Sex mit Liebe. Sie ist aufgedreht auf Partys und depressiv zuhause. Auch ruft sie ständig nachts ihre Schwester an, da sie nicht allein sein kann. Sie hat das Gefühl, inexistent zu sein, wenn es kein Gegenüber gibt, das ihr ihre Existenz bestätigt. Schließlich ist Reva kurz davor, ihre Ausbildung einfach abzubrechen, als sie mit einem Nervenzusammenbruch in einer psychiatrischen Klinik eingeliefert wird. Um welche Diagnose es sich nun explizit handelt, erfährt der Leser nicht.

 

Die Protagonistin ist zwar Reva. Erzählt wird Revas Geschichte aber rückblickend (sieben Monate nach der Entlassung aus der Klinik) aus der Sicht von Marjolein, Revas Schwester. So erfährt der Leser auch von Marjoleins Ängsten um ihre Schwester, und von ihrer Liebe zu ihr. Durch diese Erzählweise kommt es zu keinem vorantreibenden Handlungsstrang und der Leser fiebert nicht unter Spannung stehend der nächsten Seite entgegen. Es ist eher ein Buch, bei dem man die Seiten vorsichtig umschlägt, da es nachdenklich macht.

 

Die Autorin Erna Sassen, in den Niederlanden geboren, absolvierte selbst ihre Ausbildung in einer Theaterschule und trat in Musicals und Theateraufführungen auf. Das lässt die Frage aufkommen, wie sehr sie selbst Revas (oder vielleicht Marjoleins?) Gefühle kennt. Jedenfalls stellt sie Reva und ihre Schwester sehr authentisch und glaubwürdig dar.

 

Kurze Kapitel und einfache Satzstrukturen, die sich durch die Erzählperspektive von Marjolein so ergeben, machen den Roman leicht zu lesen. Und das ist wohl die Kunst bei diesem Thema.

 

Ein Roman, nicht nur für Jugendliche. Ein Buch, das aufrüttelt, das aber sowohl Betroffene durch Marjoleins Sichtweise helfen kann, sich einmal selbst zu reflektieren als auch Angehörigen durch Revas Schilderungen Einblicke in ein ganz anderes Seelenleben geben kann. Dennoch ist dieser Roman weit davon entfernt ist, Ratgeberliteratur zu sein, da wir es letztendlich mit einer Erzählung zu tun haben, in der keine Ratschläge gegeben werden, sondern einfach nur Haltungen, Auffassungen und Gefühle.

 (Für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren)

 

 

Erna Sassen: „Komm mir nicht zu nah“

Verlag Freies Geistesleben 2016

176 Seiten, Euro 18,90

ISBN: 978-3772528620

 

 

 

Hoch

 

 

 

Kleine Extra-Schauplätze

Susanne Mischke: „Winterküsse in New York“

Von Susan Müller

 

Einmal im verschneiten Central Park in New York stehen und die Stadt zur Stille zu zwingen, wenn die ersten Schneeflocken fallen. So haben es Lexi, eigentlich Alexa, Mutter und Großmutter beschrieben. Im Central Park steht sie auch, allerdings allein, ziemlich wacklig, durchgefroren - und Schnee liegt auch nicht. Ihre Eislaufkünste sind nicht die besten, so dass es wenig verwundert, dass sie in Liam hineinfährt. Seine Augen und seine Art faszinieren Lexi direkt und er scheint sie auch interessant zu finden, denn seine Telefonnummer landet noch in derselben Stunde in Lexis Skizzenblock. In dem hat sie schon allerhand schöne Situationen und Sehenswürdigkeiten verewigt. Sie freut sich darauf, Liam anzurufen und nicht mehr allein New York zu erkunden, wo ihr nur noch vier Tage bis zum Abflug verbleiben. Doch wo ist jetzt das verdammte Buch?

Es beginnt ein erbitterter Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Liam versucht Lexi zu finden. Beide bleiben erfolglos, bis Liams Mitbewohnerin Sofia anhand einer Zeichnung und guter Kombinationsgabe auf das Hotel von Lexis Großmutter aufmerksam wird. Ein schöner, kurzweiliger Roman mit kleinen Extra-Schauplätzen, die keinesfalls das Buch überladen wirken lassen, sondern ihm den besonderen Kick geben.

(Ab 12)

 

 

Susanne Mischke:

„Winterküsse in New York“

Dtv 2017

144 Seiten, Euro 6, 95

ISBN 978-3423717519

 

 

Hoch

 

 

 

Gefühle, Gefühle, Gefühle

Colleen Hoover: „Zurück ins Leben geliebt“

Von Susan Müller

 

Tate zieht aus San Diego zu ihrem Bruder nach San Francisco zum Studium. Corbin ist Pilot und nicht oft zu Hause, so kann Tate in Ruhe ihrer Arbeit als Krankenschwester nachgehen und nebenbei studieren. Total erledigt kommt sie in dem Apartmenthaus an und kann nicht in die Wohnung. Vor der liegt nämlich ein betrunkener Typ. Nach einem aufgeregten Anruf bei ihrem Bruder stellt sich heraus, dass es sich um Miles, einen Nachbarn, Freund und Kollegen von Corbin handelt. Auch wenn sie sich ihre Ankunft anders vorgestellt hat und ihr Akku eigentlich leer ist, hilft sie Miles.

Miles fühlt sich zu Tate hingezogen - sie einigen sich beide auf unverbindlichen Sex. Miles Bedingung lautet aber keine Fragen zu Vergangenheit und Zukunft. Tate lässt sich vorerst bedingungslos darauf ein, zu gut tut ihr die Beziehung. Dass sie ihm nicht gleichgültig ist, merkt sie an seiner Reaktion, die er zeigt, als der verheiratete Dillon sie anmacht. Er weist ihn dezent darauf hin, daheim eine Frau zu haben.

Dummerweise bemerkt auch Corbin, dass zwischen einer Schwester und seinem Freund mehr ist. Das findet er weniger gut. Die Freundschaft der Männer scheint gefährdet. Tate merkt für sich, dass ihr die körperliche Beziehung nicht mehr reicht, doch Miles kann sich nicht zu mehr entschließen.

Der Leser ist allerdings in Ansätzen schon unterrichtet, zumindest insofern, dass Miles seiner großen Liebe Rachel nachtrauert. Man geht mit durch das Auf und Ab der Gefühle von Tate und Miles. Man möchte den beiden gern helfen, aber noch kennen weder der Leser noch Tate die ganze Wahrheit.

Miles hält bald die gemeinsame Tochter Sam im Arm und eine Chance auf eine Zukunft mit Tate und Sam. Auch Corbin hat die Beziehung der beiden akzeptiert, denn so schlecht ist es ja auch nicht, den besten Freund zum Schwager zu bekommen.

Gefühle, Gefühle, Gefühle. Kaum jemanden gelingt es besser als Colleen Hoover, Gefühle und Spannung so in Balance zu halten, dass keines von beiden zu viel wird oder an Lebendigkeit verliert. Für fortgeschrittene Teenager ideal.

(Ab 16)

 

Colleen Hoover:

„Zurück ins Leben geliebt“

Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt

367 Seiten, Euro 12,95

dtv 2016

ISBN 978-3423740210

 

 

Hoch

 

 

 

 

Cinderella aus Texas

Colleen Hoover: „Finding Cinderella“

Von Susan Müller

 

Daniel verkriecht sich regelmäßig in der Abstellkammer seiner Schule, denn

niemand soll ihm die geschenkte Freistunde nehmen, die ihm ein Dreher im Stundenplan verschafft hat. Eines Tages bleibt er dort aber nicht allein. Ein Mädchen gesellt sich zu ihm. Die Kammer ist so dunkel, dass sie sich nicht sehen können, aber umso leichter fällt es ihnen, miteinander zu reden, ernsthaft zu reden. Und so sprechen sie auch darüber, wie es wäre, Sex nicht nur als Luststiller

zu haben, sondern mit jemandem, in den man richtig verliebt ist. Sie geben sich wie Verliebte und haben in diesem dunklen Raum Sex. Daniel nennt das bezaubernde

Mädchen Cinderella, weil er sich so fühlt, denn er hat ja keine Ahnung von der Optik seiner Bekanntschaft. Sie erkennen sich ja auf dem Gang nicht. Daniel vergisst seine

Cinderella das ganze Jahr nicht, bis er sich Knall auf Fall in Six verliebt. Sie ist die

Freundin von Sky, die wiederum die bessere Hälfte von seinem besten Freund Dean Holder ist. Six kommt gerade aus Italien zurück. Die beiden werden unzertrennlich

gänzlich ohne Sex, weil es beiden ernst ist und sie es nicht auf das Sexuelle

reduzieren wollen.

Eines Abends sind alle zum Essen bei Skys Mutter eingeladen

und da rutscht Daniel das Cinderella raus. Ab da ist Six komplett verändert und als

Daniel die ganze Wahrheit erfährt, sind beide erstmal raus aus ihrem

Beziehungsstatus. Six spricht deshalb nicht über ihren Aufenthalt in Italien, weil er

schmerzhaft war. Sie ist Daniels Cinderella und ihr beider Ausflug in das sexuelle

Verliebtsein blieb nicht ohne Folgen. Six gibt in Italien Ihr beider Kind in eine

Pflegefamilie. Es dauert, bis Daniel ihr vergibt. Er sieht ein, dass Six genauso wenig wie er wissen konnte, wer der Gespiele aus der Kammer ist.

Kein Name, kein

Gesicht. Sie konnte ihn als Vater des Kindes nicht identifizieren und so auch in keine Entscheidung einbinden. Beide finden wieder glücklicherweise wieder zueinander,

sie verbindet trotz ihrer jungen Jahre eine gemeinsame Vergangenheit. Und diese

teilen dann mit ihren Freunden Dean und Sky, die wiederum ihr Geheimnis aus einer vorangegangenen Zeit mit Six und Daniel teilen. Die vier sind noch unzertrennlicher

und um das Wissen reicher, dass das Geheimnis bei dem jeweils anderen gut

aufgehoben ist und niemals eine andere Person erreichen wird.

Die texanische Autorin Colleen Hoover bringt für einen Teenagerroman ein ziemlich grobes Handlungstableau, man kann nur überrascht sein. Doch dadurch, wie sie formuliert –temporeich, immer den Blick nach vorn gerichtet- passt sich auch dieses der Zielgruppe an. Eher werden die Themen, um die alles in einem bestimmten Alter kreist, aufgegriffen und zu einer Erwachsenenvariante geformt, die den jugendlichen Lesern suggeriert, dass sie ernst genommen werden. „Finding Cinderella“ ist spannend und ein Angebot zu lesen, das Interesse treffend und ohne überfordert zu werden. Wie auch immer Colleen Hoover das macht  - ihr Buch ist wieder überaus gelungen.

(Ab 14) 

 

 

Colleen Hoover: „Finding Cinderella“

Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt

Dtv 2016

176 Seiten, Euro 7,95

ISBN 978-3423717144

 

 

Hoch

 

 

 

Musik, Drogen

Johannes Groschupp: „Lost Boy“

Von Susan Müller

 

Johannes Groschupf sticht unter den Jugendbuchautoren heraus. Ihm fehlt zunächst der durchschnittliche US-amerikanische Hintergrund. Geboren in Braunschweig, aufgewachsen in Lüneburg verbreitet er eher Niedersachsen. Sein Werdegang führte ihn allerdings nach Berlin – und vor allem in alle Welt, als Reisejournalist. Die literarische Verarbeitung eines Hubschrauberabsturzes machte ihn als Schriftsteller bekannt. Für die Jugend taucht er nun, in dem Buch „Lost boy“. in die Musikszene in Berlin ab.

Die Hauptfigur: Lennart, Berliner, wacht eines Morgens auf dem Hamburger Bahnhof auf und hat keine Ahnung, wie er hierhergekommen ist. Kein Handy, keine Papiere, nur verschwommene Fetzen in seinem Kopf. Was war passiert und vor allem, wer war er und wer das Mädchen, dessen Bild aus dem Passfotoautomat, das er bei sich hat? Um erstmal finanziell unabhängig zu sein, heuert er auf dem Fischmarkt an und darf den Wohnwagen des Verkäufers nutzen, der glücklicherweise keine überflüssigen  Fragen stellt. Dort begegnet er auch Jule, die ihm nahebringt, dass er seine Vergangenheit aufarbeiten muss.

Lennart bemüht sich, langsam kommen die Erinnerungen wieder. Allerdings sind sie nicht nur gut. Er hat mit einem Berliner DJ, Bulgur, gemeinsam sehr schräge Musik gemacht, bei der eine Freundin offenbar ums Leben kam. Sie erzeugt derartige Schallwellen, dass es gefährlich für Leib und Leben wird. Kaum in Berlin, zeigt ihm Bulgur, wer der Chef ist und entführt Jule, um Lennart zur Mitarbeit an einem neuen Extremprojekt zu Zwingen. Chris war Kayas Freund und hat sich nach deren Tod sehr verändert. Mittlerweile weiß Lennart, was in der Nacht in den Tunnen von Berlin passiert ist. Er hat Moe, seine bisherige Freundin, getroffen. Die Uhr tickt aber, um Jule zu befreien. Am Ende wird Lennart Berlin den Rücken kehren. Zuviel ist passiert.

Ein gutes Buch für Jugendliche von Johannes Groschupf! Wer die Details zur Musikszene mag, wird diese Passagen genau lesen und sich nicht von der riesigen Spannung, dem atemlosen „Wie geht es weiter?“, jagen lassen. „Lost boy“ spricht die Zielgruppe perfekt an, und wichtige Gedanken darüber, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie Drogen konsumieren und Realität mit Wahnwelt vermischen, werden in Gang gesetzt.

(Ab 14)

 

Johannes Groschupf:

„Lost Boy“

Oetinger 2017

240 Seiten, Euro 12,99

ISBN 978-3841504470

 

 

 

Hoch

 

 

 

Von der Seele reden

Simon Packham: „Stumme Helden lügen nicht“

Von Susan Müller

 

Dass die Nachricht vom plötzlichen Unfalltod seinen Freundes Declan Chris nicht ins Bewusstsein dringen will, wundert sicher niemanden. Er funktioniert momentan nur und er will nicht drüber reden. Seine Umwelt versucht ihn besonders sanft anzufassen, aber genau das nervt ihn umso mehr. Er hält Tag für Tag und Woche für Woche ein Zwiegespräch mit Declan, erzählt ihm vom Verhalten der anderen Mitschüler und Lehrer. Declan fehlt Chris nicht nur als Freund, sondern auch als zweite Hälfte des Comedy Duos. Declan hatte immer einen passenden Spruch auf Lager. Er war witzig. Mehr als verblüfft, reagiert Chris auf die Nachricht, dass  Ariel und Declan zusammen gewesen sein sollen. Das trifft ihn völlig unvorbereitet. Zudem weiß Ariel mehr, als Chris zu erzählen bereit ist. Sie spürt, dass er etwas mit sich herumträgt, worüber er nicht reden kann oder will.

Die Vorfälle und sein Gewissen überlisten seinen Körper und den Verstand derart, dass er die Sprache verliert. Chris ist stumm. In „Stumme Helden lügen nicht“ von Simon Packham wird nicht an Grausamkeit gespart, und um das Ganze nicht mit zu viel Tiefgang zu erschweren, wird immer noch eins draufgelegt (das alles übrigens mit einem extrem einladend designtem Cover):

Je mehr Zeit vergeht, umso mehr stellt sich Chris dem letzten Tag vor Declans Unfall. Die beiden hatten einen Riesenstreit. Chris war derart verletzt, dass er sich die Party bei Ella entgehen lässt. Declan bittet ihn, wenigstens trotzdem seinen Vater zum Abholen zu schicken, aber davon will Chris überhaupt nichts hören. So kommt es, dass Declan in das Auto steigt, welches kurz darauf dramatisch verunglückt. Seine selbstquälerischen Gedanken lassen Chris nicht los und sind die Ursache, dass seine Stimme nicht zurückkommt.

Happy-End folgt insofern, als dass sich für den Leser alle Spannungen auflösen.  Chris redet sich bei Ariel alles von der Seele, sie kann ihm die Schuldgefühle nehmen. Glaubhaft versichert sie ihm, dass es letztendlich Declans Entscheidung war, in dieses Fahrzeug zu steigen und es mit dem Streit nichts zu tun hatte. Für Teenager genau das, was sie mitreißt - ein packender Jugendroman!

(Ab 12)

 

Simon Packham:

„Stumme Helden lügen nicht“

dtv 2017

208 Seiten, Euro  9,95

ISBN 978-3423717243

 

 

Hoch

 

 

 

Zündet

C.J. Daugherty:  „Night School V - Und Gewissheit wirst du haben“

Von Susan Müller

 

C.J. Daugherty, Autorin aus New York, hat ihre „Night School“ – Serie, so viel sei verraten, mit Band 5 zu einem guten Ende gebracht.  

Allie am Ziel: Carter und sie haben sich in einer schönen Nacht endlich eingestanden haben, dass ihre Gefühle füreinander stark genug sind, um als Liebe bezeichnet zu werden. All die Monate haben sie sich was vorgemacht, hatten Beziehungen. Allie zu Sylvain und Carter zu Jules. Aber statt dieses Aufregende genießen zu können, findet sich Allie in größter Sorge wieder – Carter ist in der Gewalt seiner Kontrahenten. Jetzt rattert in der Kommandozentrale von Cimmeria, in der Allie wohlbehalten zurück ist, ein Video herunter, das Carter in Fesseln zeigt Er schwebt in größter Gefahr. Die Night School-Schüler helfen, wo sie nur können! Sie müssen herausfinden, wo sich Carter befindet. Alle halten sie zusammen, und Anfeindungen enden, wenn es um das gemeinsame Ziel geht. Denn schließlich wollen sie alle den Gegnern und deren Organisation Orion nicht das Feld überlassen. Nicht diesen skrupellosen Typen! Die Dinge verkomplizieren sich, als auch noch ein Überläufer von Orion zu Allie kommt. Meint er es ernst? Doch Allie beweist in Krisensituationen Geschick und Verstand.

Die „Night School“ - Serie endet damit – leider, wie ich finde. Probleme der Zielgruppe (14- bis 16-Jährige) werden ernst, sehr ernst genommen, und die Chance, Teenager in eine extrem spannende Handlung zu verwickeln, auch. Sicher gehen zu manchen Teilen des Romans die Meinungen auseinander (sind einige Passagen überdramatisiert?), aber alles in allem ist es einen zündende Serie: Zeitgerecht wird uns beschrieben, was Geld und Macht in den falschen Händen auslösen können.

(Ab 14)

 

C.J. Daugherty: „Night School V - Und Gewissheit wirst du haben“

Oetinger Taschenbuch 2017

400 Seiten, Euro 9,99

ISBN 978-3841503251

 

 

Hoch

 

 

 

Darf im Bücherrregal nicht fehlen!

Katrin Bongard: Kissing

Von Susan Müller

 

Emmy hat ein neues Projekt. Sie möchte ihren besten Freund verkuppeln und zwar mit einem Jungen. Denn sie weiß seit langem, dass sie selbst bei ihrem Freund Julian keine Chance hat, er ist homosexuell. Bisher soll es geheim bleiben und so spielen sie und Julian ein verliebtes Paar und knutschen schon mal in aller Öffentlichkeit. Um Julian aber auf die Sprünge zu helfen und sich zu verlieben, veranstalten ihre Freundin Fiona und Emmy eine Party. der Fiona der Meinung war, die Info im Campus ausgehängt zu haben, wo nur die Homosexuellen sie lesen. Sehr zum Leidwesen der beiden Mädels erscheinen unter anderem zwei süße Typen, bei denen es Schade ist, dass sie nicht auf Mädchen stehen. Noah und Leo. Kolja ist auch da, aber bei dem ist seine Vorliebe bekannt. Julian fällt der gutaussehende Typ Noah auch auf. Vielleicht kann es doch etwas werden. Aber da er sich scheut, sich zu outen, und jeder denkt, er und Emmy seien ein Paar, geht es eher langsam los. Fiona wiederum ist ungeheuer traurig, dass Leo schwul sein soll, aber das regelt sich recht schnell. Dafür dauert es seine Zeit bis Emmy erkennt, dass Noah keineswegs auf Jungen steht und sich eher ihr hingezogen fühlt. Emmy bringt es aber nicht übers Herz, Julian die Wahrheit zu sagen. Der hat seinen Eltern reinen Wein eingeschenkt und wohnt vorübergehend bei Emmy und ihrer Mutter. Emmy hingegen möchte ausziehen und bekommt das Zimmer von Ruth, ehemalige Mitbewohnerin in Fionas WG. Der waren die vielen Partys dort ein Dorn im Auge. Emmys Eltern gehen getrennte Wege und ihre Mutter hat Phasen, in denen man merkt, dass sie es noch nicht verdaut hat. Als Emmy mit Noah unterwegs ist und einen wundervollen Abend am See genießt, platz ein Anruf von Julian in diese Romantik. Emmys Mutter ist gestützt und im Krankenhaus, gut, dass Julian bei ihnen wohnt. Julian nichts von Noah erzählt zu haben und nun der Sturz ihrer Mutter, während sie mit Noah zusammen war, sind für Emmy schlechte Omen. Sie trennt sich ohne Erklärung mit dem Satz: „Es war ein Fehler“, noch auf dem Krankenhausflur von Noah.

Noah versucht aber den Kontakt zu halten und gerät an Julian. Dieser erfährt nun von Emmy und Noah als Paar und ist sehr verletzt. Er zieht aus Emmys Elternhaus aus und möchte sie eine Weile nicht sehen. Noah beschließt derweil zurück nach Hamburg zu gehen. Emmy und er treffen sich auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung wieder, auf der er den Lover von Julian spielt. Es bleibt eine sehr verzwickte Situation, die nicht gelöst wird. Katrin Bongart beschließt ihren Roman mit der Aussicht auf Versöhnung, in dem Kolja, der schon lange in Julian verliebt ist, Emmy helfen soll und mit ihr nach Hamburg fährt. Im Gegenzug soll Emmy ihm helfen, dass er und Julian sich besser kennenlernen. Der Leser bleibt gespannt und sollte sich schon jetzt auf die Fortsetzung von Kissing, Kissing more, freuen. Beide Bücher dürfen im Bücherregal für junge Erwachsene nicht fehlen.

 

Katrin Bongard:

Kissing

Oetinger 2014

256 Seiten, Euro 8,95

ISBN 978-3423782814

 

 

Hoch

 

 

 

Absolut empfehlenswert

Kristina Dunker: Bevor er es wieder tut

Von Susan Müller

 

 

Vincent hat sich gerade von seinen Freunden verabschiedet, als er mit seinem Rad nach Hause fährt. Er entdeckt dort unten im Wasser ein menschliches Wesen. Ist das Kim? Sie wird seit Tagen vermisst. So schnell er kann ist er bei ihr. Kims Bekleidung ist zerrissen und sie selbst schaut apathisch durch ihn hindurch. Das Einzige, was Vincent in ihren Bewegungen erkennt, ist, dass sie sich eigentlich nicht anfassen lassen will. Vielleicht möchte sie nicht einmal gerettet werden. Bei dem Versuch, sie an Land zu ziehen, rutscht sie ihm unter den Händen weg. Vincent gibt nicht auf. Als er sie endlich am Ufer hat, ruft er den Krankenwagen. Der kommt gleich in Kombination mit der Polizei und Vincents Vater. Vincent hat nichts mit Kims Entführung zu tun, aber die vielen Fragen muss er über sich ergehen lassen. Hauptsache ist ja erstmal, sie ist wieder da.

Johanna wollte nie wieder an die schlimme Zeit in ihrem Leben erinnert werden, aber nun ist diese Kim verschwunden. Soll sie schweigen? Zufällig trifft sie am Ort, wo Kim gefunden wurde, Vincent. Sie traut den Menschen nicht mehr, aber Vincent gibt auch jetzt nicht auf. Sie treffen sich nun häufiger und Johanna kommen immer mehr die Erinnerungen an den Gärtner. Sie hat doch nur das Haus gehütet als die Eigentümer verreisten. War denn ein Bikini im Garten bei äußerster Hitze so falsch?

Je mehr sie mit Vincent zusammen ist und sich vergegenwärtigt, dass ihr Schweigen Kim zum nächsten Opfer gemacht hat, desto öfter will sie reden. Bis sie es dann tatsächlich schafft. Nicht nur sie fühlt sich anschließend wieder freier.

Kristina Dunker hat wieder einen fesselnden Roman geschrieben, den man in einem Zug lesen möchte. Sie beschreibt nicht nur die Tatsache, wie schnell etwas passieren kann, sondern die Scham der Opfer, sich zu öffnen. Absolut empfehlenswert.

 

 

Kristina Dunker:

Bevor er es wieder tut

dtv 2014

256 Seiten, Euro 8,95

ISBN 978-3423782814

 

 

Hoch

 

 

 

Krimi-Kopfkino

Andreas Franz/ Daniel Holbe: "Die Hyäne"

Von Anne Spitzner

 

 

Ein dreizehnjähriges Mädchen verschwindet; ihr Freund wird ermordet aufgefunden. Kommissarin Julia Durant von der Frankfurter Mordkommission und ihre Kollegen ziehen Parallelen zu einem früheren Fall, bei dem eine junge Anhalterin ermordet und mit einem bis heute unerklärlichen Schriftzug gezeichnet wurde. Doch Julia Durant und Frank Hellmer haben beide Schwierigkeiten, sich hundertprozentig auf die Ermittlungen zu konzentrieren: Julias Vater hat vor kurzem einen Schlaganfall erlitten, Prognose noch unklar, und Frank Hellmers dreizehnjährige, pubertierende Tochter Steffi verändert sich plötzlich dramatisch…

Bald stoßen die Ermittler darauf, dass in Frankfurt seit zwei Jahrzehnten ein Serienmörder sein Unwesen treibt, der junge, blonde Frauen ermordet. Sie haben zwei Verdächtige, und Daniel Holbe spielt gekonnt mit den Verdachtsmomenten gegen diese beiden Männer. Die Perspektive der beiden Verdächtigen, die Holbe immer wieder einnimmt, macht mehr als alles andere klar, wie gut er sein Handwerk beherrscht. Während des Lesens hat man das Gefühl, einen völlig anderen Autoren zu lesen: hart, mit zahlreichen nicht jugendfreien Ausdrücken und Gedanken. Dann wieder wechselt er in eine andere Perspektive, die zwar auch nicht unbedingt weich genannt werden kann, aber doch im Vergleich zur Verdächtigenperspektive deutlich an Niveau gewinnt.

Die Szenen im Verlauf der Handlung, die aus der Sicht der „Hyäne“ spielen – wie die Boulevard-Presse den Mörder rasch getauft hat – geben zwar Hinweise auf den Mörder, doch niemals verrät Holbe Endgültiges. Nach allem, was man bis zu den letzten zwanzig Seiten erfährt, könnte es jeder der beiden Verdächtigen sein, und es macht beim Lesen fast wahnsinnig, dass man keine Chance hat, einen auszuschließen. Während man beständig zwischen beiden Optionen hin und her schwankt (genau wie die beiden Kommissare), und sich fragt, was um alles in der Welt mit Steffi los sein mag, hat man gar keine Zeit, „Die Hyäne“ aus der Hand zu legen, und so langt man rascher als erwartet am Ende an.

Dieses Ende ist, wie man es von Daniel Holbe (und von Andreas Franz) gewöhnt ist, ein durchaus logisches, an dem alle Fäden zusammenlaufen und sich ohne eine Lücke oder einen Knoten auflösen. Der Mörder ist der Mörder, und alles, was auf den anderen Verdächtigen hindeutete, ist erklärlich, auch, wenn einige größere Zufälle im Spiel sind – aber das Leben ist nun einmal voller Zufälle.

Über den eigentlichen Mordfall hinaus nimmt sich Holbe in „Die Hyäne“ aber auch noch einiger brandaktueller Themen an, so etwa Stalking und Internet-Mobbing. Sein bewegendes Nachwort nimmt darauf Bezug, was während des Lesens bereits anklang, nämlich dass diese „Nebenthemen“ mindestens denselben Stellenwert haben wie die eigentlichen Mordermittlungen. Der Fall, so Holbe, sei ein „auf den ersten Blick recht simple[r] Mordfall“, wie es ihn leider immer wieder gebe. Stattdessen verdiene eher die Tatsache Beachtung, dass die Anzahl vermisster Menschen immer weiter steige, ebenso die Anzahl der Stalking- und der Mobbing-Opfer. Bei letzteren sei es besonders schlimm, dass sie keine konkrete Möglichkeit hätten, gegen ihre Peiniger vorzugehen. Dieses Nachwort setzt den packenden Krimi noch einmal in ein ganz anderes Licht. Es ist nicht nur Unterhaltung, die Holbe hier betreibt, sondern auch Aufklärung über aktuelle Verbrechens“trends“, denen immer mehr Menschen zum Opfer fallen.

Mit „Die Hyäne“ ist Daniel Holbe ein spannender Kriminalroman gelungen, der Andreas Franz‘ Reihe um Julia Durant würdig fort- und dennoch eigene Akzente setzt. Ganz großes Krimi-Kopfkino bis zum Schluss.

 

 

Andreas Franz/ Daniel Holbe:

"Die Hyäne"

Knaur TB 2014

416 Seiten, Euro 9,9

ISBN 978-3426513750

 

 

Hoch

 

 

 

„Hast du eine Zukunft, wenn du deine Vergangenheit nicht kennst?“

Teri Terry:  Zersplittert

Von Anne Spitzner

 

Das ist die Frage, der sich Kyla Armstrong, die Protagonistin in Teri Terrys Buch „Zersplittert“ stellen muss. „Zersplittert“ ist der zweite Band der Slated-Trilogie und erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen in vollem Umfang, packt den Leser auf der ersten Seite und lässt ihn erst wieder los, wenn man die letzte Seite umgeblättert ist, ganz enttäuscht, dass man noch nicht den dritten Teil in der Hand hält. „Zersplittert“ ist ganz großes Kino für den Kopf. Man sollte den Vorgängerband „Gelöscht“ gelesen haben, wenn man „Zersplittert“ aufschlägt. Zwar werden hin und wieder Hinweise darauf eingestreut, was im ersten Band passiert ist, dennoch sind die Geschehnisse (und viele der Gedankengänge der Protagonistin) klarer, wenn man auch das erste Buch der Reihe gelesen hat. Lobenswerterweise nehmen die Einstreuungen auch nicht überhand, sondern finden sich nur hier und da, sodass Leser, die beide Bände direkt hintereinander lesen, sich nicht langweilen.

Inhaltlich setzt „Zersplittert“ die Handlung genau da fort, wo „Gelöscht“ aufhörte. Kyla findet sich im Wald wieder, plötzlich von Erinnerungen an ihr früheres Leben durchflutet, die nach dem Slating eigentlich für immer verschwunden sein müssten. Jetzt weiß sie, warum sie ihren Lehrer, Mr. Hatten, schon lange zu kennen glaubt, und immer mehr Puzzleteile von ihrem früheren Ich setzen sich zu einem verwirrenden Bild zusammen. Aber entscheidende Teile fehlen Kyla noch. So weiß sie zum Beispiel immer noch nicht, warum sie eigentlich geslated wurde. Außerdem ist ihre große Liebe Ben verschwunden, und auch wenn Kyla glaubt, er müsse tot sein, erfährt sie bald, dass man ihn gesehen hat. Zwischen Ben, Mr. Hatten alias Nico und ihrer neuen Familie hin und her gerissen, muss Kyla ihre Entscheidung treffen. Und es wird nicht bei dieser einen bleiben.

Durch die Erzählperspektive der Ich-Erzählerin sitzt man als Leser direkt in Kylas Kopf, wenn sie versucht, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. Die unvorstellbaren Grausamkeiten, die nötig waren, um Kyla vor dem völligen Auslöschen ihrer Erinnerungen durch das Slaten zu bewahren, kristallisieren sich zwar erst nach und nach vollständig heraus, zeichnen sich aber von Anfang an ab und lassen einem mehr als einmal die Haare zu Berge stehen. Der Leseempfehlung „ab 14 Jahren“ würde ich deswegen nur bedingt zustimmen, gerade WEIL die Szenen so unglaublich lebendig geschildert sind, dass man glaubt, daneben zu stehen. Ich habe mich selbst beim Lachen und beim Weinen erwischt und dabei, dass ich die Augen zugemacht habe, weil ich das Blut nicht mehr sehen wollte – so wirklich kam mir alles vor. Ich habe die Zeit vergessen beim Lesen, das Essen und dass ich eigentlich etwas ganz anderes machen wollte, und ich kann es kaum abwarten, bis im Juni endlich der dritte Teil rauskommt.

Ob das Konzept von „Zersplittert“ realistisch ist, darüber habe ich, ehrlich gesagt, nicht allzu viel nachgedacht, schon gar nicht während des Lesens. Es ist eine Science-Fiction-Dystopie und als solche nicht unbedingt auf Realismus ausgelegt; die düstere Zukunft, die Teri Terry entwirft, kann man sich allerdings sehr wohl vorstellen. Und auch, dass Hirnchirurgen in absehbarer Zeit einen Weg finden werden, das menschliche Gehirn zu manipulieren, Erinnerungen zu verändern oder gar zu löschen. Man kann nur hoffen, dass sie damit verantwortungsvoller umgehen als die Machthaber in der Slated-Trilogie.

Zusammenfassend bekommt „Zersplittert“ von mir eine genauso klare Leseempfehlung wie „Gelöscht“, und wir dürfen alle gespannt auf den dritten Teil sein!

(Ab 14)

 

Siehe auch die Rezension von "Gelöscht" in www.krimikon.de

 

 

Teri Terry:

„Zersplittert“

Aus dem Englischen von Marion Hertle und Petra Knese

Coppenrath 2014

432 Seiten, Euro 17,95

ISBN 9783649611844

 

 

Hoch

 

 

 

Als erlebe man es gerade selbst!

Kjetil Johnsen: Dark Village – Das Böse vergisst nie

Von Anne Spitzner

 

Nora, Benedicte, Trine und Vilde sind Freundinnen und halten durch dick und dünn zusammen, trotz der Tatsache, dass sie alle vier sehr unterschiedlich sind. Bis sie alle ihre Sexualität entdecken und diese Veränderungen alles auf den Kopf stellen: Benedicte und Nora stehen auf den gleichen Jungen, während Trine und Vilde feststellen, dass sie möglicherweise gar nicht auf Jungen stehen. Und mittendrin eine intrigante Lehrerin, die fies zu Mädchen ist und Jungs bevorzugt, ein neuer Mitschüler mit Geheimnissen und einer dunklen Vergangenheit, ein Online-Stalker und Familien voller Probleme.

Dass all dies zu keinem guten Ende führen kann, erfährt der Leser gleich im ersten Kapitel. Eine der vier Freundinnen findet die Leiche einer anderen Freundin, nackt und in Plastikfolie eingewickelt im See treibend. Man erfährt, dass es vorher einen weiteren Mord gegeben hat, aber man erfährt weder, wer von den vier Freundinnen ermordet wurde, noch, wer die Leiche gefunden hat (und also noch am Leben sein muss).

Nach dem Leichenfund im See blendet die Handlung zurück, zwanzig Tage vor den Mord, und man erfährt, was die vier Freundinnen in diesen Tagen, die für eine von ihnen die letzten Tage ihres Lebens waren, erlebt haben. Allerdings gilt das nur für die ersten fünf von diesen zwanzig Tagen – danach endet der erste Band der Reihe, „Das Böse vergisst nie“, und man muss – will unbedingt – gleich den zweiten aufschlagen, um zu erfahren, wie es mit den vier Freundinnen weitergeht. Nicht nur, welche von ihnen ermordet worden ist, obwohl der ständige Hinweis, der am Ende jedes Tages erfolgt, dass eine der Freundinnen nur noch zwanzig, neunzehn (usw.) Tage zu leben hat, die Spannung in diese Richtung kontinuierlich steigert.

Abgesehen davon fängt Kjetil Johnsen auch so genau die Gefühle heranwachsender Mädchen ein, wie wütend, durcheinander und verwirrt sie sind, dass man sich problemlos hineinfühlen und wiederfinden kann. Die Aufregung der ersten sexuellen Erfahrungen, die unbändige Wut, die plötzlich aus dem Nichts zu kommen scheint – Kjetil schreibt so realistisch davon, dass man das Gefühl hat, man erlebe das gerade alles selbst. Die Gedanken der vier Mädchen sind so plastisch beschrieben, dass man direkt in sie eintaucht und sich ihrer Abfolge nicht entziehen kann, wenn sie aus einem neutraleren, weniger involvierten Blickwinkel auch manchmal nicht besonders logisch erscheinen mögen.

Die Mischung aus Krimi und Psychodrama mit heranwachsenden Mädchen in der Hauptrolle zündet wie ein Silvesterfeuerwerk, wickelt den Leser ein und um den Finger, sodass man sich nicht davon losreißen kann, bis die letzte Seite umgeblättert ist; und dann fängt man sofort an, zu überlegen, wo man den zweiten Band herbekommt.

(Ab 14)

 

Kjetil Johnsen:

Dark Village 01 - Das Böse vergisst nie

Aus dem Englischen von Dagmar Lentz und Anne Bubenzer

Sonderausgabe

Coppenrath 2013

262 Seiten, 5 Euro

ISBN: 9783649615781

 

 

Hoch

 

 

 

Seufzalarm

Aygen-Sibel Celik: "Verrückt war gestern"

Von Susan Müller

 

Neben ihrem Hobby, dem Zeichnen von Comics, was sie intensiv betreibt, hat Mia Mara noch jede Menge andere Marotten. Sie muss ihr Kissen dreimal aufschütteln und dann eine Kerbe hineinschlagen, in die sie dann ihren Kopf zum Schlafen legt. Wenn sie sich ekelt, muss sie bis 30 zählen und wehe sie wird unterbrochen. Dann fängt sie von vorn an bzw. muss sie von vorn anfangen und darf dabei auch nicht sprechen.  Ihr Schülerticket sucht sie morgens und nachmittags bis zu fünf Mal in ihrer Tasche, um sich zu vergewissern, dass es da ist. Und von diesen Ticks darf Finn, der Neue in der Schule, auf keinen Fall erfahren. Der ist so süß. Er geht mit dem Bruder von Mia Maras bester Freundin in die Klasse und der muss alles über ihn rausfinden. Und siehe da, was bringt die beste aller Freundinnen zu Tage, er zeichnet ebenfalls Comics. Nun zeichnet Mia Mara ja Mister No, auf dessen Fortsetzung die halbe Schule jede Woche ungeduldig wartet. Finn zeichnet stiller. Er beteiligt sich aber am Nachwuchswettbewerb der Comiczeichner, zu dessen Teilnahme Mia von ihrer Lehrerin mehr als gedrängelt werden muss. Die Spannung steigt, bis zur Bekanntgabe der Zeichner, die zum großen Finale nach Berlin dürfen. Bis eines Tages der langersehnte, aber kaum erhoffte Brief im Kasten liegt, Mia darf nach Berlin. Ihre Freude ist nur noch zu toppen von Finns Brief, der ihn ebenfalls als Auserwählten nach Berlin schickt. Ausgerechnet zwei aus einer Schule und dann noch Mia und Finn, die inzwischen mehr sind als nur Freunde, sie sich Tricks beim Zeichnen zeigen. Mia schwebt auf Wolke sieben. Egal wie der Wettbewerb ausgeht, Mia hat schon gewonnen, nämlich Finn als ihren Freund und die beste aller Freundinnen hat sie ja schon. Als Finn dann als Drittplatzierter verkündet wird und sie sich unbändig für ihn freut, verpasst sie fast den Aufruf des Platz 2. Den hat sie selbst nämlich gewonnen und das nur, weil sie Mr. No vor Ort ein wenig anders gezeichnet hat als in ihren Comics. Heute sieht er Finn verdammt ähnlich…
Ein Jugendbuch, wie es die jungen Mädchen mögen: Friede, Verliebtsein und Seufzalarm.

 

Aygen-Sibel Celik:

„Verrückt war gestern“

Pink 2014

192 Seiten, Euro 9,99

ISBN: 3-86430-030-4

 

 

Hoch

 

 

 

Versuch über Sieben Leben

Marcus Sedgwick: „ Sieben Monde“

Von Susan Müller

 

Marcus Sedgwick versucht sich in einer Geschichte über viele  Zeitzonen, in denen sich die Protagonisten immer wieder begegnen -  sieben Mal. Am Anfang Eric und Merle genannt, erhalten sie in den anderen Monden andere Namen, aber es handelt sich immer wieder um ihr Wiedersehen. Es beginnt mit dem Blumenmond 2073, als Eric sich auf eine Insel begibt, die ihm bekannt vorkommt, als wäre er schon hier gewesen. Seine Gedanken sind frei. Und so beginnt die Reise in die Monde davor, immer mit seiner Merle.  Die Reise geht zurück ins Jahr 2011, wo vom Heumond die Rede ist. Der nächste Sprung ereignet sich ins Jahr 1944, dem Kornmond, zurück. 1902 erzählt die Begebenheit im Fruchtmond und immer gibt es Feinde und Freunde, alle sind die ähnlich geartet wie in den anderen Jahren oder Monden, nur haben andere Namen oder Funktionen. Weiter zurück geht es zum Jägermond, 1848, gefolgt vom Schneemond im 10.Jahrhundert. Der Blutmond macht seinem Namen alle Ehre und sein Datum ist unbekannt.

Der Kreis schließt sich im Jahre 2073, denn dann sind die sieben Leben gelebt und Eric  ergibt sich seinem Schicksal. In allen sieben Monden respektive Leben suchen sich die beiden, finden sich und lieben sich, ganz egal in welchem Zusammenhang und mit welchen Namen. Merle will ohne ihren Geliebte nicht sein und folgt ihm in die Ewigkeit. Es ist ein mystisches, teilweise brutales Werk, aber es ist ersichtlich: Ohne Liebe geht es auch nicht, um den Lesestoff vollendet zu gestalten.

Bei „Sieben Monde“ ist es schon vonnöten, dass sich der Leser selbst den einzelnen Epochen mit seinen jeweiligen Protagonisten hingibt und selbst das eventuelle Geheimnis der Insel ergründet, welches diese rund um eine Pflanze und den Alterungsprozess umgibt. Vielleicht findet sich dort auch die Antwort auf Sieben Leben.

(Ab 14)

 

Marcus Sedgwick:

„Sieben Monde“

Dtv 2014

240 Seiten, Euro 14,95

ISBN 3-423-65007-9

 

 

Hoch

 

 

 

Ein Buch zur einsetzenden Pubertät

Jenny Han:  „Zitronensüß“

Von Susan Müller

 

Annemaries bester Freund seit Kindertagen ist Mark. Neben Emilia, die erst kürzlich aus New York in den kleineren Ort, in dem Annemarie wohnt, gezogen ist, ist Mark die wichtigste Person aus ihrem Freundeskreis.
Mit den beiden und ihrer Schwester Celia sowie Mutter und Vater hat Annemarie, oder Shug genannt,  sozusagen ausgesorgt. Nur verändert sich in ihrem Umfeld plötzlich einiges - oder ist sie es, die sich verändert? Zuhause wird der Streit mehr, denn ihr Vater arbeitet auswärts und sagt neuerdings die Abende ab, an denen er heimkommen wollte. Ihre Mutter kompensiert das mit Wein und noch mehr Wein. Die große Schwester verzieht sich zu einer Freundin und Shug hat eigentlich Mark, aber der hängt neuerdings mehr mit den Jungs ab.
Gerade deshalb hinterfragt Shug sich selbst und stellt fest, sie ist in Mark verliebt. Ganz im Gegenteil zu Jack, der sie immer nur aufzieht, weil sie leider noch keine markanten Anzeichen einer angehenden Frau aufweist.  Aber wie es der Zufall will, erwischt sie ihn auch noch für die Nachhilfe, die sie ihm geben muss. Ihr Verhältnis entwickelt sich langsam zu einem anderen. Sie schaut hinter die Kulissen seiner Familie und weiß, wenn er schulisch weiterhin Mist baut, was auch ein Eintrag wegen ungebührlichen Verhaltens sein kann, muss er zu seinem Vater ziehen. Seine Mutter kommt nicht mehr an ihn ran.

Shug kann ihn bei den Schulnoten retten, aber nach einer Auseinandersetzung auf dem Pausenhof steht die Entscheidung fest. Shugs fester Rahmen gerät außer Kontrolle, nachdem auch Mark sich mehr und mehr zurückzieht und sogar eine andere küsst. Eine, die nicht zu Shugs auserwählten Freundinnen gehört. Und dann geht auch noch Papa nach einem größeren Streit.

Es ist sehr einfühlsam, wie Jenny Han die verschiedenen Charaktere und den Umgang in den einzelnen Situationen beschreibt. Und die Frage stellt: Verändert sich eine 12-Jährige oder ist es die Welt, die sich verändert? Ein Buch zur angehenden Pubertät.  Junge Leserinnen finden sich darin wieder.

 

 

Jenny Han:

 "Zitronensüß"

dtv 2014

320 Seiten, 8,95 Euro

ISBN 9783423625678

 

Hoch

 

 

 

Romantische Teenagerlektüre

Maike Stein: „Tagebücher lügen nicht“

Von Susan Müller

 

Sophia hat seinen vielen Jahren einen besten Freund, Tim. Phia und Timusch schreiben sich Tagebücher, in denen sie Gedanken, Gefühle,  Ängste und Sorgen teilen. Bis Timusch auf einen Schlag behauptet, das sei Mädchenkram und er habe darauf keine Lust mehr. Sophia ist umso mehr enttäuscht, denn bereits ein anderer, ihr nahestehender Mann, hat sie hintergangen. Ihr Paps hat in den Tagebüchern gelesen, angeblich weil er sich Sorgen gemacht hat, als sie nicht heim kam. Beide Tatsachen sind für Phia ein großer Vertrauensbruch. Timusch ist in der Handballmannschaft und ihr Vater ist der Trainer. Nun ist Handball ziemlich tabu, trotzdem muss sie zum Spiel mit, um einer Strafe zu entgehen, die ihr Wegbleiben nach sich gezogen hätte. Ihre Enttäuschung sitzt so tief, dass sie mit Tim nicht mehr redet.

Dann wird sie eben ohne ihn weitermachen und schreibt das erste Mal über dieses Thema online und nicht nur offline. Sofort meldet sich Leron, der mehr von ihr lesen will und ihre Geschichte lobt. Phia ist hingerissen, obwohl sie ihn nur aus dem Netz kennt. Sie muss sich aber noch um eine andere Geschichte kümmern, denn ihre Freundin Dine ist von Eddy aus dem Handballteam bloßgestellt worden, weil ihre Brüste größer sind als die der anderen Mädchen. Sophia glaubt zwar nicht an Tims Mittäterschaft, aber nun muss das ganze Handballteam bestraft werden. Dine und Phia verteilen rote Armbänder, die signalisieren, dass das Handballteam von den Mädchen geschnitten wird.

Das Blatt wendet sich wieder als Tims Schwester nach einem Streit mit Mutter und dann noch Vater davonläuft. Sie hat sich als lesbisch geoutet und nun schneidet sie ihre Mama. Der Vermittlungsversuch des Vaters scheitert und nun ist Lessa weg. Tim sucht sie bei Sophia, da beide in einem gemeinsamen Forum sind, aber hier ist sie nicht. Beider kommen sich allerdings näher und nun will Tim die Sache um Leron aufklären. Er selbst hat sich als Leron ausgegeben, als er damals Phia so verletzt hatte. Er wollte ihr nur das Tagebuch nicht zeigen, weil seine Gefühle drin stehen, seine echten für Phia.

 Er hat sich ernsthaft in sie verliebt. Da Sophia die Gefühle erwidert, kann alles noch zu einem guten Ende kommen. Hat der Leser zwischenzeitlich schon das Gefühl zu wissen, dass Leron Tim sein könnte, bleibt es dennoch spannend. Es kommt nie das Gefühl auf, man müsse die nächsten Seiten nicht mehr lesen oder der AHA-Effekt bliebe aus. Und was für Erwachsene ein wenig zuviel von allem ist, macht es für Teenager ansprechend.  Geschickt gemacht und eine wunderbare romantische und ehrliche Lektüre für das Teenageralter.

 

Maike Stein: „Tagebücher lügen nicht“

Oetinger 2014

192 S., 8,90.-

ISBN 9783841502810

 

 

Hoch

 

 

 

Doppelt spannend

Jennifer Brown: „Perfect Escape“

Von Susan Müller

 

Kendra ist ein junges Mädchen, das  auf Perfektion achtet. Sie möchte immer die Beste sein, bis sie dem Druck nicht mehr standhält und etwas ziemlich Blödes in der Schule verzapft. Sie droht aufzufliegen und möchte nur noch weg. Ihr Bruder Grayson, der an einer Zwangsstörung leidet, ist natürlich auch nicht immer eine Stütze, denn es dreht sich alles mehr um ihn als um Kendra.

Kendra will unbewusst die Unzulänglichkeiten ihres Bruders ausgleichen und spornt sich daher selbst immer wieder zu Höchstleistungen an. Als ihr dann die ganze Schulgeschichte um die Ohren zu fliegen droht, findet sie ihren Bruder einmal mehr im Steinbruch, in dem er Steine zählt. Das gehört zu seiner Störung, zählen und ja nicht mit einer ungeraden Zahl aufhören. Das bringt nämlich Unglück und dann beginnt er lieber von vorn, nervig nur, wenn er bei 7463 ist. Kendra kommt in den Sinn - wenn sie gemeinsam mit ihrem Bruder flieht, dann kann sie ihn vielleicht von seiner Krankheit befreien.

Er findet sich auch nicht sehr gut zurecht in fremder Umgebung. Grayson belastet das alles, aber er sucht auch das Gespräch mit Kendra und macht ihr klar, dass er sich seine Krankheit nicht ausgesucht hat. Und ob sie sich vorstellen kann, dass er eher wie sie sein wollte. Das erstaunt seine Schwester natürlich, darüber hat sie sich noch nie Gedanken gemacht. Ein weiteres Problem haben die beiden, denn ihre Eltern wissen nicht, wo sie sich aufhalten und machen sich natürlich wahnsinnige Sorgen. 

Jennifer Brown hat wieder ein fesselndes Werk vollbracht mit offenem Ende, aber  hier sind dem Leser keine Grenzen gesetzt, wie er es fortführen würde. Das macht die Geschichte doppelt spannend.

 

Jennifer Brown:

“Perfect Escape”

Aus dem Englischen von Beate Schäfer

dtv 2014

384 Seiten, 9,95 Euro

ISBN 978-3423782791

 

 

Hoch

 

 

 

Graffitti-Worte

Katrin Bongard: "Street Art Love"

Von Susan Müller

 

Sophie ist zeichnerisch sehr begabt und liebt dieses Hobby sehr. Dann kommt Charly in ihre Klasse als neuer Schüler. Er wohnt bei seinem Vater und liebt ebenfalls das Künstlerische, nur anders. Anfangs kann Sophie mit ihm nichts anfangen, denn er scheint ihr leicht arrogant. Seine Art zu zeichnen, unterscheidet sich doch von ihrer. Sophie mag Porträts oder Stillleben, Charly steht auf Graffity Gemälde.

Sophie kommt nicht umhin, sich mit Charly zu beschäftigen und dann landen sie noch im selben Projekt des Kunstunterrichts. Allerdings kann Sophie mit der Aufgabe Street Art nichts anfangen. Im Gegensatz zu ihrem Mitschüler, der kennt sich aus und freut sich über die gemeinsam Aufgabe. Sophie recherchiert und Charly zeigt ihr in der Stadt kleine versteckte Zeichnungen eines bekannten Künstlers. Sie sieht Graffity plötzlich mit anderen Augen und probiert an einer Wand ihre eigene „Unterschrift“. Sophie kommt auf eine Idee, zu der sie ihre Freundin Maja benötigt. Sie versuchen sich an seinem Projekt, was an der Schule seinen Einsatz findet. Sophie setzt Charlys gigantische Zeichnung mit kleinen Kniffen um. Die Schulleitung findet es nicht so witzig, aber Charly ist begeistert, auch wenn  dies nicht auf sein Konto geht.

Es ist leichte Lektüre mit dem Hintergrund von bestehender und sich findender Freundschaft und dem Einlassen auf eine neue Art der Kunst und deren Umsetzung. Schön zu lesen.

 

 

Katrin Bongard:

Street Art Love

Oetinger Verlag 2013

176 Seiten, Euro 9,99

ISBN 978-3864300219

 

Hoch

 

 

 

Ein toller Abschluss

Yves Grevet: "Meto – Die Welt"

Von Susan Müller

 

Alles hätte so schön sein können und war in Metos Augen sehr gut vorbereitet. Doch wo muss er sich wiederfinden? Im Haus –  dort fing doch aber alles erst an.

Meto soll alles ausbreiten, warum, weshalb und vor allem wie es soweit kommen  und wie er so viele Verbündete finden konnte.

Meto ist schlau und so sagt er immer gerade soviel, wie er vertreten kann ohne seine Freunde in Misskredit zu bringen oder sie zu verraten. Er weiß ja teilweise gar nicht, was nach dem Aufstand aus ihnen geworden ist.

Die Cäsaren vertrauen ihm nur wenig, aber Remulus hält mit ihm Kontakt und will seinen Vater loswerden. Das funktioniert in kleinen Etappen, aber er muss auch noch mit Metos Hilfe seinen Bruder ausschalten, um die Nachfolge der Führung anzutreten. Metos Bedingungen sind klar, er will bessere Lebensverhältnisse für alle und hat klare Vorstellungen. Da Remulus das ganze sowieso nicht aufrecht erhalten will, ist ihm die zukünftige Regelung recht egal. Er gewinnt das Duell und sein Bruder stirbt, nun muss es der „Alte“ Jovis ihm nur noch gleich tun.

Meto ist derweil bestrebt, die Welt kennenzulernen und zum Beispiel Marcus seinen Eltern zurückzuführen. Was mit Hilfe des Bootmannes, der regelmäßig zum Haus kommt, gelingt. Nur hat sich Marcus das anders vorgestellt und würde gern zurück, wenn Meto mit seinen Helfern für ein selbstbestimmtes Leben gesorgt hat.

Meto wird viel Verantwortung auch seitens der Cäsaren übertragen und er kann für seinen Plan noch Hieronymus, den Anführer der Soldaten, gewinnen.

Meto gelang es ja bereits, neben der seiner Freunde, auch seine wahre Identität herauszufinden und er schleicht während einer Mission zum Haus seiner Eltern. Nur kennt er da die ganze Geschichte noch nicht, sein Großvater war der Bösewicht der Veränderungen und „Ein-Kind-Reicht-In-Der-Familie“ Vertreter. Sein Großvater Marc und Jovis hatten immer Kontakt und so beschlossen Meto ins Haus zu bringen. Er behielt zwar seinen Namen, aber nicht seine Identität. Seiner Mutter wurde das Gedächtnis gelöscht und sein Vater war verbannt.

Mit Hilfe seiner Freunde und Verbündeten gelingt es Meto, seine Insel mit dem Haus zu einer lebenswerten zu machen und all die „Ausgestoßenen“ mit sich zu ziehen und mit ihnen gemeinsam ein besseres und organisiertes Leben zu führen, an dem alle teilhaben und sich alle auf ihre Art und Weise einbringen.

Ein toller Abschluss der Trilogie rund um Meto und seine Freunde. Durch alle drei führt die Erkenntnis, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und für seine Träume und Ideale zu kämpfen. Ein jedes für sich eine lesenswerte Lektüre, ein wenig mystisch, aber gerade nur soviel, dass es der Handlung keinen Abbruch tut und der Grundgedanke für den Leser gut verfolgt werden kann. Überdies sehr spannend, vor allem, wenn man nach Ende Teil 1 oder 2 auf den entsprechenden Nachfolger warten muss.

(Rezension Band 1 siehe weiter unten)

 

 

Yves Grevet:

"Meto – Die Welt"

Übersetzt von Stephanie Sinqh

dtv 2013

336 Seiten,  14,95 Euro

ISBN 978-3423625166

 

Hoch

 

 

Eine richtig schöne Teenager Geschichte

Usch Luhn: "River Girl"

Von Susan Müller

 

Lio ist verliebt in Jasper und hofft ihrem Ziel näher zu kommen, als er ihr die Titelstory für die Schülerzeitung „reality“ anbietet. Seine anderen Quellen haben ihn versetzt, sei es aus schulischen Gründen oder Unvermögen. Eva schmachtet ihn zwar an, aber hat keine Ahnung vom Schreiben. Lio ist sie eine Dorn im Auge, weil sie sich Jasper vor kurzem „gekrallt“ hat.

Doch Lio hat direkt eine Idee für die Story, denn ihr Vater hat mit seinem Hausboot angelegt und sie soll ihn besuchen, sofern es ihre Mutter erlaubt, beide leben schließlich getrennt.

Papa hat seine Freundin und deren Sohn allerdings mit an Bord. Und Niklas passt erst ganz und gar nicht in Lios Bild und Konzept. Aber Gitarre kann der spielen…

Aus Lios Story wird wirklich reality. Sie erlebt eine Menge ungeahnter Dinge und bringt sie zu Papier. Jasper ist begeistert. Mit Eva hat er inzwischen Schluss gemacht und Lios sollte eigentlich glücklich sein. Wenn da nicht Niklas wäre und sich die, für ihn erwachten, Gefühle abstellen ließen. Dann wird ihr beim bisher ersehnten Kinobesuch mit Jasper auch noch klar, dass dieser ziemlich oberflächlich ist. Ihre Schmetterlinge sind ausgeflogen, sie fliegen jetzt bei Niklas. Jasper verfällt auch nicht in Depressionen, als sie ihm mitteilt, dass aus ihnen beiden nichts werden kann, denn Jasper ist auch noch ziemlich von sich überzeugt. Ganz anders sieht es bei dem Holländer Niklas und ihr aus…

Eine richtig schöne Teenager Geschichte, die so ganz nebenbei deutlich macht, dass man in jungen Jahren lernen kann, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

 

 

Usch Luhn:

"River Girl"

Aus dem Englischen von Ute Mihr

Pink! 2013

186 Seiten,  9,99 Euro

ISBN 978-3864300318

 

 

Hoch

 

 

Gute Schullektüre

Sangu Mandanna: "Lost Girl – Im Schatten der Anderen."

Sabine Planka