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Einen echten und keinen Fantasiefreund

Barbara Schinko: "Eine Insel nur für Patti-Lee"

Von Anne Spitzner

 

Barbara Schinko:

Eine Insel für Patti-Lee

Mit Bildern von Kathrin Schüler

Dieter Frieß Verlag 2011

102 Seiten, Euro 10,90

ISBN 978-3941472020

 

 

 

 

 

Patti-Lee hat es schwer: In der Schule wird sie von zwei Mitschülerinnen gehänselt, und zu Hause hören ihre Eltern ihr nicht zu, wenn sie etwas erzählt. Der einzige, der für sie da ist, ist Yorick, der Pirat aus dem Kornblumenmeer. Doch Yorick kommt nur, wenn Patti-Lee auf der Insel ist, dem Hochsitz, und so lange blinzelt, bis ihr die Tränen kommen. Kein Wunder, dass Patti-Lee wütend ist, als eines Tages ein fremder Junge dort auftaucht. Schließlich aber freunden sich die beiden an, und sie erkennen, dass sie die einzigen sind, die ihre Probleme wirklich lösen können.

Barbara Schinkos „Mutmachbuch“ erzählt davon, dass es manchmal helfen kann, sich in Träumereien zu flüchten, aber dass man auf Dauer im wirklichen Leben nichts davon hat; dass man selbst mit anpacken muss, wenn man will, dass sich die Dinge ändern – oder, wie Yorick es ausdrücken würde: „Man muss sich nur trauen.“

Die Figuren wachsen einem beim Lesen sofort ans Herz, womöglich, weil jeder im Leben manchmal durch Situationen durch muss, in denen er gern so mutig wäre wie ein Pirat und sich doch benimmt wie eine feige Angstmaus. Und dabei zuzusehen, wie Patti-Lee beschließt, mutig zu sein, kann einen selbst auch ein wenig mutiger machen. Dass sie dabei auch noch einen Freund findet, einen echten und keinen Fantasiefreund wie den Piratenkapitän vom Kornblumenmeer, das geht wie im echten Leben auch nicht reibungslos vonstatten: Sie streiten sich um den Hochsitz, tauschen Schimpfwörter aus und drohen sich Prügel an; Eisklumpen, Buntstifte und zerrissene Bilder fliegen zwischen ihnen hin und her. Es dauert einen Moment, bis sie erkennen, dass sie zu zweit besser sind als allein, bis auch Henry Yorick sehen kann und bis sie merken, dass der Piratenkapitän sie zwar im Kornblumenmeer rächen kann, dass ihnen das im wirklichen Leben aber nichts hilft. Der Plan, den die beiden aushecken, ist sowohl kindlich als auch schlau.

Erfreut und enttäuscht zugleich war ich über das klischeehaft gute Ende. Alle Probleme lösen sich auf einmal in Luft auf, Patti-Lees Eltern hören ihr zu und die hänselnden Mitschülerinnen werden bestraft. Auch für Henry ist alles auf einmal prima. Im wirklichen Leben würde das wohl nicht so ablaufen; es hört sich eher an, als hätte Yorick wieder einmal als Rächer zugeschlagen und alle Probleme mit seinem Säbel in die Flucht gejagt.

Aber: Es ist ein schönes Ende, und Patti-Lee, Henry und Yorick haben es nicht anders verdient.

(Ab 8)

 

 

 

 

Leerstelle: Angst

Christoph Marzi: "Helena und die Ratten in den Schatten"

Von Lennart Ragmann

 

Christoph Marzi:

Helena und die Ratten in den Schatten

Mit Bildern von Monika Parciak

Arena 2010

80 Seiten, Euro 12,99

ISBN 978-3401065618

 

 

 

 

Angst ist ein großes Thema der Literatur. Es konnte sich dort behaupten, obwohl die Küchenpsychologie sich seiner so total bemächtigte. In der Kinderliteratur hat „Angst“ noch mal ihren ganz eigenen Stellenwert, denn Angst prägt Kindheit, und Eltern müssen - und viele wollen- helfen, Angst zur Seite zu schieben. Damit der Blick des Kindes wieder klar wird und es auflachen kann.

„Helena und die Ratten in den Schatten“ greift Angst auf, alles beherrschende Angst, und versucht in einer anspruchsvollen Geschichte mit ebensolchen Illustrationen den Kindergefühlen plastischen Ausdruck zu verleihen. Gefährliche Äste, das Gras so kringelig, gelbe Augen, die aus dem Dunkel hervorblitzen, Farben, echt dunkel und hässlich, dünne Beine, riesige Augen - Manga-Augen, ein Auge größer als das andere, Motive, die aus der Fremdheit des Schulhofs bis in die Vertrautheit des Kinderzimmers gelangen.

Es geht um ein Mädchen, dem auf dem Schulhof eingeredet wird, dass da Ratten in den Schatten herumspringen und gefährlich sind, weil Leute, die sie sehen, einfach verschwinden. In der Nacht fällt Helenas Kuscheltier aus dem Fenster. Sie muss nach draußen, es ist alles ganz dunkel und gruselig. Wider Erwarten merkt sie, dass die Ratten in den Schatten gar nicht gefährlich sind, sondern ganz nett, und die Verschwundenen Leute dageblieben sind, weil sie es so toll fanden. Schließlich hat sie ihr Kuscheltier wieder und ist die Angst los.

Den furiosen Ansatz, den Beginn einer guten Erzählung mit sehr spezieller Illustration schafft das Bilderbuch nicht ganz bis zum Ende durchzuhalten. Woran könnte das liegen? Dass der Autor eigentlich aus dem Fantasy-Genre kommt und doch nur mit Angst spielt? Dass Kinderliteratur zu sehr nach Verköstigung der Eltern giert als Kinderängste literarisch zu sich vorzudringen zu lassen?

Ein leicht zu vergessendes Buch ist „Helena und die Ratten in den Schatten“ nicht. Man hat das Gefühl, es selbst als Literaturkritiker nicht richtig in den Griff zu bekommen, und nach langem Betrachten stellt sich die Überlegung ein, ob es nicht eher für diejenigen jungen Leser, die ihre Angst schon besiegt haben, bevor sie das Buch lesen, geeignet ist. Eine unbefriedigende Leerstelle bleibt, aber da man genau sie aus den Angstzuständen kennt, fügt sie dem Buch vielleicht einen zusätzlichen Wert hinzu.

(Ab 9)

 

 

 

 

Ein Buch, in dem mehr als eine Geschichte steckt

Katharina Grossmann-Hensel: „Die mutige Marta“

Von Brigitte Bjarnason

 

Katharina Grossmann-Hensel:

„Die mutige Marta“

Annette Betz Verlag

32 S., Euro 16,95

ISBN 978-3-219-11437-9

 

 

 

Marta lebt in ihrer eigenen Welt voller spannender Abenteuer. Sie ist von wilden Tieren umgeben, die ihr das Käsebrot klauen und im Bad alles durcheinander bringen. Die Eltern meinen, sie hätte zu viel Fantasie, sie gehen nicht auf die Bemerkungen ihrer Tochter ein. Es ist wichtiger für sie, Marta zu ermahnen nicht mit vollem Mund zu reden und immer brav die Mütze aufzusetzen, anstatt mit ihr zu reden. Marta ist allein in ihrer Welt, bis am Ende des Buches plötzlich die Rollen gewechselt werden. Die Eltern entdecken die gefährlichen Tiere, die aus dem Zirkus entlaufen sind, in Martas Zimmer und kriechen verängstigt zu der mutigen Marta ins Bett.

Das Buch „Die mutige Marta“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie oft Erwachsene und Kinder aneinander vorbeireden. Hier werden die Erwachsenen ermahnt, ihren Kindern zuzuhören und an ihrer Erlebniswelt teilzunehmen. Marta wünscht sich, wie alle Kinder, das Interesse und die Aufmerksamkeit der Eltern. Mit Ausdauer und Mut erreicht sie ihr Ziel.

Der Text des Buches, der verschiedene Alltagssituationen aufgreift, ist knapp und besteht aus den Ermahnungen der Eltern und Martas Hinweisen auf die wilden Tiere. Die farbenfrohe Illustration unterstreicht  die Aussage des Textes. Sie zeigt Martas Fantasiewelt und mittendrin die ahnungslosen Eltern. Es gibt zahlreiche versteckte Details zu entdecken, die auf die Hintergrundgeschichte hinweisen und Stoff zu Gesprächen geben. Sehr gefallen hat mir der Schluss der Geschichte, wo die Eltern die wilden Tiere entdecken und Marta sie zu sich ins Bett nimmt.

„Die mutige Marta“ ist ein anspruchsvolles, hübsches Bilderbuch, das Kindern aus dem Herzen spricht.

 

 

 

 

Von da an plötzlich mutig

Albert Wendt: "Betti Kettenhemd"

Von Anne Spitzner

 

Albert Wendt:

„Betti Kettenhemd“

Jungbrunnen 2008

120 S., Euro 13,90

ISBN 978-3702657925

 

 

 

In seinem Buch „Betti Kettenhemd“ erzählt Albert Wendt die Geschichte des ängstlichen kleinen Mädchens Bettina, die trotz ihrer großen Angst einen streunenden Hund, den Schwarzen Mülleimer, vor dem Hungertod rettet, mit ihm Freundschaft schließt und ihre Angst verliert. Von da in ist sie die mutige Betti Kettenhemd, die auch vor dem ordnungsliebenden Freizeitjäger Dr. Mueller-Meckel keine Furcht mehr zeigt. Die Rebhuhndame Tek-tek wird ihre Lehrerin und bringt ihr bei, richtig mit der Natur umzugehen, die jetzt Bettis Zuhause geworden ist, sich im Feld unsichtbar zu machen und dergleichen mehr. Doch das ist noch nicht alles. Bettis Schicksal wendet sich dramatisch, als der Schwarze Mülleimer plötzlich verschwindet und sie mit Tek-tek alleine zurücklässt. Betti hört auf, stark zu sein, und es dauert eine Weile, bis sie begreift, dass man auch stark und mutig sein kann, wenn man nicht von einem großen starken Freund begleitet wird. Und zum Glück hat Betti noch andere Freunde, als Dr. Mueller-Meckel es ausnutzen will, dass ihr Beschützer fort ist.

Das klingt wie eine großartige, spannende Geschichte für kleine Kinder, die wie die kleine Bettina Angst vor der Dunkelheit und vor vielen anderen Dingen haben, und im Prinzip ist „Betti Kettenhemd“ das ja auch. Nur richtet es sich auf keinen Fall an Kinder, die wenig lesen oder noch nicht richtig mit der Sprache zurechtkommen. Denn „Betti Kettenhemd“ ist entweder für kleine Kinder, die viel gelesen haben und somit die teilweise komplizierten Formulierungen schon verstehen können, oder für Kinder, die nicht allein lesen, sondern mit ihren Eltern, die ihnen über diese Schwierigkeiten hinweghelfen können, oder es ist ein Buch für schon größere Kinder, denen die Geschichte vielleicht nicht gefällt, weil es um ein Kind geht, das wesentlich jünger ist als sie selbst. Diese Kluft zwischen dem mit den Protagonisten angestrebten Lesealter und der wesentlich höhere Anforderungen stellenden Sprache ist mir zuerst aufgefallen – es ist ein wenig, als würde man anfangen, Schiller zu lesen, wenn man zuvor nur mit den „Drei-Fragezeichen“ -Büchern vertraut war. (Was keine Kritik sein soll. Ich finde die „Drei Fragezeichen“ fabelhaft.)

Aber zurück zu „Betti Kettenhemd“. Zuerst hat das Buch mich nicht besonders begeistern können, das gebe ich zu. Aber ich sage das an dieser Stelle nur, damit jemand, der anfängt, das Buch zu lesen, es nicht gleich in die nächste Ecke wirft, weil ihm das erste Kapitel nicht gefällt. Zugegeben, es dauert ein bisschen, bis man „drin ist“ in dieser Geschichte. Aber dann lässt sie einen nicht mehr los, und plötzlich möchte man selbst so sein wie diese wilde, mutige Betti Kettenhemd: so frei, so stark, und man möchte Freunde haben wie den Schwarzen Mülleimer oder das Rebhuhn Tek-tek. Subtil und kraftvoll zugleich erzählt Albert Wendt hier die Geschichte des Mädchens, das seine Angst überwindet und schließlich merkt, dass es auch ohne Beschützer keine mehr zu haben braucht, das ein wenig erwachsen wird, obwohl sie ein kleines Kind bleibt, und das mit einem Mal mehr weiß als die meisten anderen Menschen, weil es Glück kennengelernt hat und Verlust. Betti Kettenhemd ist der Inbegriff des Kindes, das anders ist, als es alle haben wollen. Ihr gegenüber steht der Spießer Dr. Mueller-Meckel, der es nicht ausstehen kann, dass jemand die Ordnung durcheinander bringt, die er so mühsam aufgebaut hat und die er doch so sehr liebt. Seine Niedertracht und Gemeinheit als entgegengesetzter Pol zu Betti Kettenhemd heben die Geschichte über das Maß einer bloßen Erzählung von Angst und deren Überwinden hinaus. Durch den Freizeitjäger gibt es für Betti Kettenhemds Freiheit und Glück eine reale Bedrohung, die der Geschichte Schärfe und Spannung verleiht und sie so zu einem richtigen Thriller für jüngere Leser werden lässt.

Viel mehr will ich aber an dieser Stelle nicht verraten. Für alle, die sich nicht gleich von den ersten Sätzen abschrecken lassen, ist dieses Buch ein echter Geheimtipp zum Mitlachen, Mitweinen und Mitfiebern – und alle, die es nicht lesen, sind schließlich selbst daran schuld.

 

 

 

 

Hoch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 

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